Klassenarbeiten und Klausuren sind hĂ€ufig Anlass fĂŒr Auseinandersetzungen zwischen LehrkrĂ€ften und SchĂŒlern, vor allem aber zwischen LehrkrĂ€ften und Eltern. Neben der Frage der Leistungsbeurteilung und Benotung geht es oftmals auch um die Frage, ob Klausuren zwingend nachzuschreiben sind und welche Voraussetzungen hierfĂŒr gelten.
Praxisbeispiel: Am Freitag, dem 22.05.2015, wird in der NeustĂ€dter Realschule in der Klasse 8 die letzte Klausur im Fach Mathematik vor den Sommerferien geschrieben. Jonas kann nicht mitschreiben, weil er sich am Nachmittag zuvor beim FuĂballtraining den FuĂ gebrochen hat und dieser am 22.05. operiert werden muss. Jana fehlt bisher unentschuldigt. Ihre beste Freundin Lisa weiĂ, dass Jana mit ihren Eltern ĂŒber die Pfingsttage bis zum 26.05. zu einem Kurztrip nach Mallorca aufgebrochen ist. Als Nachschreibtermin fĂŒr die Klasse 8 hat die Schulleitung zu Beginn des 2. Halbjahrs den 27.05.2024 festgelegt. Janas Mutter ist empört, dass ihre Tochter direkt am 1. Schultag nach Pfingsten die Klassenarbeit nachschreiben soll. Der Vater von Jonas bittet darum, den Nachschreibtermin zu verlegen, da Jonas am 27.05. noch im Krankenhaus ist.
Rechtlicher Hintergrund zum Nachschreiben von Klassenarbeiten
Klassenarbeiten sind sogenannte schriftliche Arbeiten, die zu den notwendigen Lernkontrollen gehören. Sie dienen der Leistungsbewertung des SchĂŒlers. Sie sind gleichwertig wie mĂŒndliche und andere fachspezifische Lernkontrollen, die die LehrkrĂ€fte ansetzen (vgl. Runderlass des NiedersĂ€chsischen Schulministeriums vom 22.03.2012 âSchriftliche Arbeiten in den allgemeinbildenden Schulenâ). Klassenarbeiten sind als bewertete schriftliche Arbeiten einige Tage vor der Anfertigung anzukĂŒndigen. Je nach Bundesland gelten unterschiedliche Regelungen, ob eine Klassenarbeit zwingend nachzuschreiben ist oder dies im Ermessen der Schule steht.
5 Tipps zum Nachschreiben von Klassenarbeiten
Muss eine Klassenarbeit nachgeschrieben werden, orientieren Sie sich an diesen 5 Tipps:
1. Tipp: Legen Sie Nachschreibtermine frĂŒhzeitig fest
UnabhĂ€ngig davon, ob in Ihrem Bundesland das Nachschreiben von Klassenarbeiten zwingend vorgeschrieben ist oder nicht, sollten Sie im Interesse Ihrer SchĂŒler und zur besseren Leistungsbeurteilung der SchĂŒler durch Ihre LehrkrĂ€fte dafĂŒr sorgen, dass Nachschreibtermine frĂŒhzeitig festgelegt werden. Es bietet sich an, diese Termine jeweils zu Beginn eines Schulhalbjahrs verbindlich mitzuteilen.
Praxistipp: An manchen Schulen werden sowohl Klausurtermine fĂŒr die FĂ€cher und Jahrgangsstufen einheitlich zu Beginn eines Schuljahrs festgelegt und mitgeteilt als auch die dazugehörigen Nachschreibtermine. So weiĂ jeder SchĂŒler und wissen alle Eltern von Beginn an, wann welche schriftlichen Leistungskontrollen anstehen.
2. Tipp: KĂŒndigen Sie Nachschreibtermine immer an
Wenn Sie beim zentralen System bleiben, kĂŒndigen Sie nicht nur die Klausurtermine selbst, sondern auch die Nachschreibtermine zentral an. Ăberlassen Sie dies Ihren LehrkrĂ€ften, sollten Sie als Schulleiter jedoch dafĂŒr sorgen, dass die Nachschreibtermine spĂ€testens mit dem eigentlichen Klausurtermin bekannt gegeben werden. So können sich SchĂŒler und Eltern darauf einstellen.
3. Tipp: Bei Erkrankung gelten Ausnahmen
SchĂŒler, die wie im Praxisbeispiel nach einem Sportunfall nicht in der Lage sind, eine Klassenarbeit zu schreiben, und die auch den Nachschreibtermin aus diesem Grund nicht einhalten können, haben einen Anspruch auf Verlegung des Termins. Dies muss ohne Nachteile fĂŒr den SchĂŒler erfolgen. Da der SchĂŒler unverschuldet in dieser Situation ist, kann jederzeit auch individuell ein anderer Termin gefunden werden. Dies dĂŒrfte im Praxisbeispiel nach dem Sportunfall wegen des Krankenhausaufenthalts jederzeit möglich sein.
4. Tipp: Wer die Klassenarbeit wissentlich versÀumt, hat Pech
Klassenarbeiten werden regelmĂ€Ăig angekĂŒndigt, sei es individuell durch die Klassenlehrer, sei es zentral durch die Schulleitung zu Beginn des Schulhalbjahrs. FĂŒr alle gilt: Wer den festgesetzten Klausurtermin wissentlich versĂ€umt wie z. B. Jana im Praxisbeispiel, die mit ihren Eltern einen Kurztrip nach Mallorca unternimmt, hat schlechte Karten. In einem solchen Fall ist das VersĂ€umnis von Jana bzw. von deren Eltern zu vertreten. In diesem Fall sind die Schulleitung und der Fachlehrer nicht verpflichtet, Jana den Nachschreibtermin auch zu gewĂ€hren. Die Arbeit wĂ€re mit âungenĂŒgendâ zu bewerten.
5. Tipp: Achten Sie auf vergleichbare Klausursituationen
FĂŒr den Nachschreibtermin sollten die gleichen Rahmenbedingungen gelten wie fĂŒr den Klausurtermin selbst. Das bedeutet, dass mehrere SchĂŒler in einem Klassenraum auch bei unterschiedlichen inhaltlichen Klausuren zusammen unter Aufsicht einer Lehrkraft die Klausuren schreiben sollten. Ungleiche Rahmenbedingungen, wenn z. B. ein einzelner SchĂŒler in der vollen Klasse bei Unterrichtsbetrieb nachschreiben soll, machen die Note anfechtbar.
Fazit
Nachschreiben ist richtig und wichtig, da mehrere schriftliche Leistungskontrollen eine bessere Leistungsbeurteilung ermöglichen. Dies hat auch etwas mit Chancengleichheit gegenĂŒber den SchĂŒlern zu tun.