Prinzipien fĂŒr Lehrerbeurteilungen
Zur Aufgabe der Schulleitung gehört in der Regel die dienstliche Beurteilung der Kollegen. Sie kennen sicher die Sorgen und Ăngste mancher Kollegen vor Ihrem Beurteilungsbesuch. Sorgen Sie durch Ihr eigenes Verhalten fĂŒr einen entspannten Umgang miteinander. Schaffen Sie durch Transparenz Sicherheit. Halten Sie sich an folgende 6 Prinzipien:
Legen Sie die Kriterien der dienstlichen Beurteilung offen
Dies kann in einer Lehrerkonferenz oder in einem GesprÀch stattfinden.
Die wichtigsten Faktoren sind
- das didaktisch-methodische Vorgehen,
- der Grad der SchĂŒleraktivierung,
- der Leistungsstand der Klasse,
- das erzieherische Wirken,
- die Vermittlung von Arbeitstechniken,
- der Medieneinsatz.
Vermeiden Sie Formfehler
Darf der Zeitpunkt des Unterrichtsbesuchs angekĂŒndigt werden? Beachten Sie die Vorgaben in Ihrem Bundesland. Denken Sie daran, keinen Formfehler zu machen, denn die dienstliche Beurteilung hat einen hohen Rechtscharakter.
Kommen Sie pĂŒnktlich zu Beginn der Unterrichtsstunde
Betreten Sie möglichst zusammen mit dem Lehrer das Klassenzimmer, sodass die Stunde mit Ihnen beginnt. Kurz danach hereinzukommen bringt Ihnen den Ruf eines Kontrolleurs ein.
Nehmen Sie sich Zeit
Reservieren Sie sich besonders die ersten Male auf jeden Fall eine ganze Schulstunde Zeit fĂŒr den Besuch und ebenso viel fĂŒr das anschlieĂende Feedback. So verschaffen Sie sich einen umfassenden Eindruck und können einen gegenseitigen Austausch im GesprĂ€ch realisieren.
Sprechen Sie Verbesserungen an
Vergleichen Sie mit vorausgegangenen Beobachtungsgelegenheiten. Melden Sie Ihrem Kollegen Steigerungen deutlich zurĂŒck und ermutigen Sie ihn so zum Voranschreiten auf seinem Weg.
Nutzen Sie den Besuch und das GesprÀch, um den Fortbildungsbedarf zu klÀren
Registrieren Sie UnterstĂŒtzungsbedarf Ihrer Lehrer und leiten Sie davon ThemenvorschlĂ€ge fĂŒr schulinterne Fortbildungen ab.
Den gesamten Beobachtungszeitraum ausschöpfen
Ein faires, objektives und gerechtes Beurteilungsverfahren verlangt vor allem eine frĂŒhzeitige und klare Zielformulierung. Legen Sie deshalb mit jedem Ihrer Lehrer soweit möglich zu Beginn einer Beurteilungsperiode konkrete Ziele fest. Am besten eignet sich das BeratungsgesprĂ€ch nach dem ersten Unterrichtsbesuch. So können Sie beim nĂ€chsten Besuch evaluieren, ob die Vereinbarungen umgesetzt wurden. Thematisieren Sie im MitarbeitergesprĂ€ch weitere Bereiche der Mitwirkung an der Schulentwicklung.
MĂŒssen Ihre LehrkrĂ€fte nun Angst haben, bei jedem Fauxpas einen Eintrag im Lehrerbeobachtungsheft zu bekommen? Wenn Sie dies so handhaben wĂŒrden, wĂ€re Ihr FĂŒhrungsstil von Misstrauen und Fehlerkultur geprĂ€gt. Notieren Sie Beobachtungen, VorfĂ€lle und GesprĂ€che â doch natĂŒrlich beide AusprĂ€gungen, positive wie negative. Vermeiden Sie auĂerdem im eigenen Interesse, aber auch im Sinn Ihrer Kollegen einen Hospitationsstau. Beginnen Sie bereits im ersten oder 2. Jahr mit den Besuchen, um verschiedene EindrĂŒcke zu bekommen. Variieren Sie auch das Fach.
Konkrete Erkenntnisse in festen Beobachtungsfeldern gewinnen
Halten Sie deshalb Beobachtungen zur QualitÀt der Arbeitsergebnisse Ihrer Lehrer in allen Beobachtungsfeldern schriftlich fest, die in den Beurteilungsrichtlinien Ihres Bundeslandes festgelegt sind. In Bayern wird die fachliche Leistung besonders betrachtet:
âąÂ   Unterrichtsplanung und Unterrichtsgestaltung
âąÂ   Unterrichtserfolg
âąÂ   erzieherisches Wirken
âąÂ   Zusammenarbeit
âąÂ   sonstige dienstliche TĂ€tigkeiten
Eignung und BefÀhigung beschreiben
Neben der Leistungsbeurteilung muss die Lehrerbewertung auch eine EinschÀtzung der BefÀhigung Ihrer Lehrer enthalten. Im Einzelnen sind dies:
âąÂ   Entscheidungsvermögen
âąÂ   Belastbarkeit
âąÂ   Einsatzbereitschaft und
âąÂ   Berufskenntnisse und ihre Erweiterung
Ein Gesamturteil bilden
Bilden Sie aus der Leistungs- und BefĂ€higungsbeurteilung eine Gesamtbewertung. Doch setzen Sie dieses Gesamturteil keineswegs mit dem mathematischen Durchschnitt der Einzelbewertungen gleich. Das Gesamturteil muss schlĂŒssig aus den Einzelbewertungen hervorgehen.
Erleichtern Sie sich die Einstufung Ihrer Lehrer: Definieren Sie dazu die mittlere Leistungsstufe, die solide und zufriedenstellende Arbeit einer Lehrkraft. In Bayern ist dies die Leistungsstufe 4. Im Anschluss fĂ€llt es Ihnen leichter, eine ĂŒber dem Durchschnitt liegende (Stufen 3 bis 1) oder unter dem Durchschnitt liegende (Stufen 5 bis 7) Beurteilung einzuordnen. Bescheinigen Sie die Eignung fĂŒr besondere Aufgaben, z.B. als Betreuungslehrer fĂŒr Referendare oder fĂŒr eine Funktionsstelle, z.B. in der Schulleitung. Stimmen Sie diesen letzten Schritt, je nach Vorschrift Ihres Bundeslandes, mit dem Schulrat ab.
Mit der Formulierung differenzieren
WĂ€hlen Sie am Schluss die passende Formulierung. Sie muss auf das Gesamtbild und auf die Beurteilungsstufe hinweisen. Denken Sie daran, dass die Formulierungen in der Dienstlichen Beurteilung keine leeren WorthĂŒlsen sein dĂŒrfen. Vielmehr mĂŒssen sie durch Ihre eindeutigen Beobachtungen und Erkenntnisse belegbar sein.
Behalten Sie auĂerdem die Zielsetzung im Auge: Sie soll die Leistungen anerkennen, zu weiterem Einsatz motivieren und eine sorgfĂ€ltige Personalauswahl ermöglichen. Damit Ihnen dies möglichst gut gelingt, stellt der Bayerische SchulrĂ€teverband e. V. den Schulleitern âArbeitshilfen zur Formulierung der Dienstlichen Beurteilungâ zur VerfĂŒgung.
Angstfaktor Beurteilung
Die Abneigung gegen Beurteilungen Ă€uĂert sich vor allem im Unbehagen vor Unterrichtsbesuchen der Schulleitung. Auf Kritik in Form einer ânurâ durchschnittlichen Bewertungsstufe in der Lehrerbwertung reagiert so mancher mit RĂŒckzug. Doch das Hauptziel der dienstlichen Beurteilung ist die QualitĂ€tssicherung von Unterricht. Sie stehen also vor der Frage: Wie können Beurteilung und Leistungsbericht dazu motivieren, sich noch mehr zu engagieren?Â
Betonen Sie, welcher Zeitraum gilt
Die dienstliche Beurteilung ist keine Momentaufnahme. Vielmehr beziehen Sie Ihre Beobachtungen ĂŒber Unterricht, Erziehen und schulisches Engagement ĂŒber den gesamten Beurteilungszeitraum von 4 Jahren ein. WĂŒrdigen Sie also auch lĂ€nger zurĂŒckliegende Leistungen. Damit Sie nicht in den Beurteilungsfehler âDer letzte Eindruck zĂ€hltâ verfallen, schreiben Sie Ihre Beobachtungen aus vielfĂ€ltigen Situationen systematisch auf.
Nutzen Sie Unterrichtsbesuche zur Beratung
FĂŒhren Sie Unterrichtsbesuche nicht auf den letzten DrĂŒcker durch. Verteilen Sie sie auf den gesamten Beurteilungszeitraum. Ergreifen Sie viele Gelegenheiten zur Unterrichtsbeobachtung, z.B. wenn eine Lehrkraft Sie zu einer ProjektprĂ€sentation einlĂ€dt. FĂŒhren Sie nach jedem Besuch ein ausfĂŒhrliches BeratungsgesprĂ€ch. So haben Ihre Lehrer Gelegenheit, Ihre Anregungen umzusetzen. Honorieren Sie Fortschritte, indem Sie dies der Lehrkraft rĂŒckmelden und es schriftlich festhalten.
Selbstevaluation und Feedback als Elemente der Schulkultur
Dienstliche Beurteilungen und Leistungsberichte sind besondere Formen der RĂŒckmeldung ĂŒber die EinschĂ€tzung des Geleisteten. Sind alle Kollegen gewohnt, auch bei anderen Gelegenheiten ein realistisches Feedback von Kollegen oder von Ihnen zu bekommen, lernen sie, dies als Hilfe zur persönlichen Entwicklung und zur QualitĂ€tssteigerung von Unterricht zu nutzen. Ist an Ihrer Schule die âoffene KlassenzimmertĂŒrâ selbstverstĂ€ndlich, gewöhnen sich Ihre LehrkrĂ€fte an Besucher im Unterricht, z.B. wenn Sie neue Methoden im Englischunterricht erproben. Noch gezielter wird Feedback bei der kollegialen Hospitation gegeben. Regen Sie auĂerdem als VorlĂ€ufer die Selbstevaluation an, z.B. 1-mal in der Woche. Auch verschiedene Formen des SchĂŒlerfeedbacks eignen sich hierzu.
Geben Sie die Kriterien guten Unterrichts bekannt
âUnterricht ist persönlich und individuell.â Solchen Worten Ihrer Kollegen können Sie guten Gewissens zustimmen. Doch ergĂ€nzen Sie: âEs ist richtig, viele Wege fĂŒhren nach Rom. Doch nicht jeder Weg fĂŒhrt nach Rom!â Sehr wohl gibt es wissenschaftlich fundierte Kriterien fĂŒr guten Unterricht. Diese legen Sie bei der EinschĂ€tzung von Unterricht zu Grunde. Zeigen Sie auf, dass Sie auch darauf schauen werden, wie die Lernergebnisse ausfallen. Faktenwissen ist ebenso gemeint wie fachliche Kompetenzen.
Verdeutlichen Sie, was noch zÀhlt
Unterrichten und Erziehen sind die Arbeitsschwerpunkte Ihrer Lehrer. Deshalb zĂ€hlen die Leistungen in diesen Bereichen auch am meisten. Doch natĂŒrlich sprechen Sie in der dienstlichen Beurteilung und im Leistungsbericht auch an, wie Ihre LehrkrĂ€fte die Aufgaben bewĂ€ltigen, die neben dem Unterricht und vor allem in der Schulentwicklung anfallen. Besonders betrachten Sie auch, wie sie ĂŒbertragene Aufgaben meistern, in denen sie Verantwortung ĂŒbernehmen.
Informieren Sie ĂŒber Recht und Zweck
ErlĂ€utern Sie die rechtlichen Eckpunkte der dienstlichen Beurteilung und des Leistungsberichts, die beamtenrechtlich festgelegten Fakten. Stellen Sie dabei die Funktion der beiden Beurteilungsformen heraus: Was Sie unter âLeistungâ, âBefĂ€higungâ und âdienstliche Verwendungâ in der dienstlichen Beurteilung schreiben, gewinnt vor allem bei der Bewerbung um ein Beförderungsamt an Bedeutung. Der Leistungsbericht stellt fĂŒr die Lehrkraft in erster Linie eine WĂŒrdigung ihrer Arbeit dar. Mit Sicht auf Schule und Unterricht geht es auĂerdem um QualitĂ€tssicherung. BetĂ€tigen Sie sich als âSchatzsucherâ statt als âDefizitfahnderâ ZĂŒcken Sie den Notizblock nicht nur dann, wenn ein Kollege gerade in ein Problem verwickelt ist oder einen Fehler gemacht hat. Andernfalls wird eine Vertuschungskultur um sich greifen. BetĂ€tigen Sie sich stattdessen mehr als Schatzsucher. Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das, was einem Kollegen gelingt. Sehen Sie seine Erfolge und StĂ€rken, anstatt in erster Linie nach seinen SchwĂ€chen zu fahnden. Lassen Sie dies die Kollegen wissen. FĂŒhren Sie regelmĂ€Ăig ZielvereinbarungsgesprĂ€che. Geben Sie ihnen dabei Gelegenheit, ihre Leistung darzustellen. So erfahren Sie von Aktionen und Besonderheiten, die Ihnen bisher verborgen blieben. ĂuĂern Sie Kritik rechtzeitig. Zeigen Sie aus Ihrer Sicht auf, wo sich die Lehrkraft noch verbessern oder engagieren kann. Mit Zielvereinbarungen fasst die Lehrkraft Verbesserungen ins Auge. Nach einem vereinbarten Zeitraum betrachten Sie dann gemeinsam das Resultat, zuletzt bei der dienstlichen Beurteilung.
Eröffnen Sie Perspektiven und lassen Sie Ihre Lehrer spĂŒren, dass Ihnen ihre Weiterentwicklung ein Anliegen ist!