KonfliktgesprÀche erfolgreich moderieren

Elternbeschwerden ĂŒber Lehrer gehören zu Ihrem FĂŒhrungsalltag als Schulleiter: Ungerechte Notengebung, diffamierendes Verhalten oder Benachteiligung des Kindes wird Ihnen von den Eltern zur Last gelegt. Ihre ersten Schritte werden auf jeden Fall eine sachliche KlĂ€rung der VorwĂŒrfe in einem ausfĂŒhrlichen GesprĂ€ch mit dem Kollegen sein. Lassen sich die Unstimmigkeiten dadurch nicht beheben, bitten Sie beide Seiten – Eltern und Lehrkraft – zu einem KonfliktgesprĂ€ch, das Sie moderieren. KlĂ€ren Sie allerdings im Vorfeld die Verhandlungsbereitschaft ab, damit es durch ein zu frĂŒh angesetztes Round-Table-GesprĂ€ch nicht sogar noch zu einer VerhĂ€rtung der Fronten kommt.

Moderieren Sie das KonfliktgesprÀch in 4 KlÀrungsstufen

1. Schaffen Sie eindeutige Voraussetzungen

Benennen Sie Ihre Funktion als KlĂ€rungshelfer. Zeigen Sie auf, wer warum dabei ist, falls Sie mehr als die beiden Kontrahenten an den runden Tisch geladen haben. Geben Sie den vorgesehenen Ablauf bekannt. Weisen Sie darauf hin, dass jeder drankommen wird und jeder dieselbe Redezeit zur VerfĂŒgung haben wird. Die wichtigste Regel wird deshalb sein, dass niemand unterbrochen wird und alle ausreden können.

Ihre Aufgabe, wenn Sie das KonfliktgesprÀch mit den Eltern moderieren:

  • Die Rahmenbedingungen gestalten
  • Die Bereitschaft zur Mitarbeit wecken
  • Den Prozess strukturieren
  • Die Zielsetzung im Auge behalten: die ArbeitsfĂ€higkeit wiederherstellen
  • Nicht Richter, sondern Schlichter sein
  • Nicht der Schuldige wird gesucht, sondern Lösungen werden angestrebt

2. Der Konflikt an sich: Worum geht’s bei der Elternbeschwerde?

Leiten Sie die Kontrahenten an, die Ursachen und den Verlauf des Konfliktes zu analysieren. Lassen Sie von beiden Seiten die Konfliktthemen benennen: Worum geht es genau?

Stellen Sie im KonfliktgesprĂ€ch Fragen an Eltern und Lehrer: „Welches konkrete Verhalten von Herrn X sehen Sie als Benachteiligung an?“ Dulden Sie keine pauschalen Anschuldigungen und vagen Unterstellungen. Was ist unstrittig? Welches ist die gemeinsame Basis der Zusammenarbeit? Welche Verhaltensweisen, VorfĂ€lle waren Ihrer Ansicht nach entscheidend fĂŒr die Entstehung und den Verlauf des Konflikts? Welche Personen und Gruppen sind indirekt am Konflikt beteiligt oder haben Einfluss auf den Konflikt?

Ihre Aufgabe, wenn Sie das KonfliktgesprÀch mit den Eltern moderieren:

  • Lassen Sie beide Kontrahenten zu Wort kommen: Was denken, fĂŒhlen und wollen die Eltern? Was denkt, fĂŒhlt und will der Lehrer?
  • Fassen Sie die Konfliktpunkte zusammen. Schreiben Sie sie ggf. stichwortartig auf ein Blatt.
  • Vertiefen Sie das wechselseitige Verstehen. Zeigen Sie auf, wie beide Parteien von Anfang an den Konflikt mitgestaltet haben.
  • Lassen Sie auch GefĂŒhle und Empfindungen ausdrĂŒcken, sodass die Gegenseite auch die Wirkungen von Verhalten erfĂ€hrt.
  • Bringen Sie selbst VerstĂ€ndnis fĂŒr die Position jeder der beteiligten Konfliktparteien auf und fördern Sie dieses auch bei den Konfliktparteien.
  • Nehmen Sie WĂŒnsche und BefĂŒrchtungen beider Parteien ernst.

3. Bringen Sie Positionen in Bewegung

Fassen Sie das Gehörte zusammen, sodass die von beiden Seiten geĂ€ußerten Überzeugungen, Interessen und GefĂŒhle der beiden Konfliktparteien deutlich werden. Stellen Sie die gegensĂ€tzlichen Standpunkte der Kontrahenten klar gegenĂŒber. Welche Forderungen existieren auf beiden Seiten? Wie werden sie begrĂŒndet? Schreiben Sie jede einzeln auf ein Blatt und hĂ€ngen Sie diese an eine Tafel oder Pinnwand. Lassen Sie die Kontrahenten zu den Forderungen der Gegenpartei Stellung nehmen. HĂ€ngen Sie diejenigen in die Rubrik „erledigt“, die sofort Zustimmung beim anderen finden. Bitten Sie nun die Konfliktparteien, möglichst viele Lösungsideen zu entwerfen. Schreiben Sie auch diese wieder auf je eine Karteikarte.

Ihre Aufgabe, wenn Sie das KonfliktgesprÀch mit den Eltern moderieren:

  • Streben Sie eine Konfliktlösung ohne Niederlage an.
  • Bringen Sie bei einer „Entweder-oder-Einstellung“ eine „Sowohl-als-auch-Lösung“ ins Aufmerksamkeitsfeld.
  • Rufen Sie ĂŒbergeordnete Interessen beider Parteien in Erinnerung (Förderung des SchĂŒlers).
  • Fragen Sie nach, wo die eine Partei am ehesten zurĂŒckstecken kann, weil es ihr nicht so wichtig ist.
  • Welche HintergrundbedĂŒrfnisse spielen bei den geĂ€ußerten Konfliktpunkten eine Rolle? Wie können sie befriedigt werden

4. Abschlussphase fĂŒr KonfliktgesprĂ€che mit den Eltern

Halten Sie die Ergebnisse durch eine mĂŒndliche und schriftliche Zusammenfassung fest. Lesen Sie die Vereinbarung noch einmal vor, sodass das Ergebnis fĂŒr alle deutlich wird. Einigen Sie sich auf eine BewĂ€hrungskontrolle. Vereinbaren Sie mit Eltern und Lehrer, wie Sie zusammen den Erfolg des GesprĂ€chs gewĂ€hrleisten wollen.

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